Teutoburg verstehen....
Ein Teutoburger auf Mallorca
Die bunte Pest
Um es vorweg zunehmen: Erstens: Mein Quartier MA 13 beim Teutoburger Jan Eric Schwarzer ist echt zum Wohlfühlen. Die Insel ist tatsächlich wunderschön.
Zweitens: Radfahren auf Mallorca ist KEIN Geheimtipp.
Gleichwohl oder gerade deswegen wird die ganze Insel von einer furchtbaren Plage heimgesucht, der sich der Teutoburger weder verschließen kann, noch will: Der bunten Pest!
Wirklich allerorten sieht man Betroffene. Zum Zeichen ihrer Infektion erhalten sie ein Trikot in allen Farbtönen, die die chinesische Bekleidungsindustrie hergibt. Zur Warnung prangt irgendwo ein großes weißes Kreuz auf rotem Grund nebst einem kleinen Schriftzug „Hürzeler bike reisen“ zur Warnung aller nichtinfizierten Radfahrer: Vorsicht, bunte Pest, völlig unkontrollierte Fahrweise – Abstand halten.
Nun wissen wir, warum es „bunt“ heißt – aber warum Pest? Erinnern wir uns: die Geißel der Menschheit suchte in mehreren Schüben große Teile Mitteleuropas heim, die armen Erkrankten starben von Beulen entstellt häufig einen qualvollen Tod verscharrt in anonymen Massengräbern.
Vergleichbar das Schicksal der bunten Pestopfer. Die Krankheit ist hochinfektiös, fast immer sind ganze Radfahrersippen betroffen. Bedauernswert entstellt sind etliche Opfer durch drei unförmige Beulen, die sich in den Rückentaschen bilden. Auf dem Rad liegt das Geschwulst hinter dem Po, im Stand zieht es das Trikot bis zur Kniekehle herab – ein schauerlicher Anblick. Ein zweites Geschwür bildet sich in aller Regel auf der Stirn und bildet die vordere Abschlusskante des Helms. In Fachkreisen spricht man vom „Schirmchen“.
Auf der ganzen Insel sind Quarantänestationen eingerichtet: Erkennbar an weißen Fahnen, auf rotem Grund das weiße Kreuz, Schriftzug „Hürzeler“. Hier wird Pestopfern Café, Eis oder Kuchen eingeflößt. Das kuriert zwar nicht die Ursache der Krankheit, lindert aber die Symptome. Nach der Therapie sind die Ärmsten häufig wieder in der Lage, weitere 20 km zurückzulegen.
An den Quarantänestationen sind meist lange Metallgerüste aufgebaut. Dort hängen die Infizierten ihre Carbonrenner ab. Dem Teutoburger widerfuhr dort unlängst Sonderbares. Sein treues Eisenschwein wartete inmitten der Hürzeler-Carbonarmada, als sich eine Rotte Infizierter näherte. „Bo ey, ein Alurahmen mit der Ultegra von 2004. Waaahnsinn!“ Aber die Begeisterung währte nur kurz, schnell wandte man sich wieder dem gemieteten Hightechrenner zu. Der Teutoburger legt seitdem bei jeder Pause seinen Helm mit der Öffnung nach oben neben das Eisenschwein. Dankenswerterweise werfen die Pestkranken meist Scheine hinein – Münzen fallen nämlich so blöd durch die Löcher. Warum das so ist und was der Teutoburger mit dem Geld macht? Später mehr dazu.
Nun natürlich die entscheidende Frage nach dem Krankheitsverlauf: Leider endet die Infektion mehrfach tödlich. An jedem namhaften Anstieg wird gestorben. Dutzend- , hundertfach und unter entsetzlichen Qualen. Puterroter Kopf, Herzrasen, Muskelkrämpfe. Und doch treibt der Aufseher (Guide genannt) seine Todgeweihten unerbittlich weiter, hin zur nächsten Quarantänestation oder zur abendlichen finalen Bestattung. Die findet meist in der Nähe der Inselhauptstadt Palma statt, in eilig errichteten Betonbettenburgen. Jede Nacht werden die Opfer der bunten Pest dem Vernehmen nach dort mit speziellen Ritualen („Abfeiern“) definitiv ins Jenseits befördert. Bis die Untoten am nächsten Morgen wieder ihre bunten Trikots überstreifen müssen. Welch entsetzliches Los, der Teutoburger wendet sich mit Grausen.
Es versteht sich, das der Teutoburger alles tun wird, damit er keinesfalls für bunt pestkrank gehalten wird. Ist er diesbezüglich mit dem treuen Eisenschwein an sich schon recht immunstark aufgestellt, so bietet MA 13 (wir erinnern uns: Inhaber ist selbst Teutoburger) weitere Prophylaxe an: Hinreißend schlichte, schwarze Radoutfits, perfekt im Sitz und sündteuer. Wer mag kann´s googeln: Skins Radbekleidung. So exklusiv hat der Teutoburger noch nie gesessen. Und nun weiß man auch, wozu der Helm vors Rad gelegt wird... Ein wenig schamlos nutzt der Teutoburger hier ein Symptom der Krankheit aus, dass noch erwähnt werden muss: Bunte Pestkranke verschleudern ihr Vermögen sinnlos in den Quarantänestationen , in den Grabanlagen und bei den Bestattungsritualen im Bierkönig.
Dabei hat das letzte Trikot drei Taschen und ein weißes Kreuz auf rotem Grund und am nächsten Tag steht der Tacho wieder auf Null!
PS:
Aus Gründen der Pietät gibt es noch keine Fotos. Aber darf man sich so ganz dem Elend der Welt verschließen? Die kommenden Tage werden es zeigen.
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Zwischentöne
Nach der Saison ist vor der Saison - Dialog unter Teutoburgern, gehört im November 2011
Teutoburg: "Und, wie oft auf´m Rad gewesen in den letzten Wochen?" - "Nie!" - "Ich war noch weniger."
Deutsch: "Die Saisonvorbereitungen für 2012 laufen seit 1. Oktober auf Hochtouren."
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Schönheitsideal
Keine Frage – wir Teutoburger sind wahre Ästheten. Schon winzige Kleinigkeiten stören den Gesamteindruck empfindlich und werden daher radikal abgelehnt. Schirmchen am Helm, Ventilkappen, bunte Socken geht gar nicht.
Immer gibt es für die Ablehnung solcher Stilbrüche natürlich sehr gute, sachlich stichhaltige Gründe. So existiert beispielsweise im richtigen Leben ein absolutes optisches no-go, das der Teutoburger diametral gegensätzlich bewertet: die Bräunungskante.
Während der Normalbürger bzw. die Normalbürgerin alles unternimmt, um solche Kanten an Arm, Bein und Rumpf tunlichst zu vermeiden, gelten sie dem Teutoburger als Kennzeichen wahrer Schönheit. Der sachliche Hintergrund: die Bräunungskante ist der untrügliche Indikator für Trainingskilometer. Jetzt, zum Saisonende hin, vergleicht man heimlich den Kontrast an den Bräunungkanten der Mitfahrer. Im Idealfall ist der Rumpf weiß, Arme, Beine, Nacken, Ohren und Antlitz dagegen tiefbraun bis schwarz. Je schärfer die Kante, je deutlicher der Kontrast, desto respektvoller der Umgang mit dem vermeintlich besser trainierten Gegenüber.
In einer internen Abfrage wurde nun in einem kleinen Schönheitswettbewerb ein Sieger ermittelt. Während etliche Mitbewerber chancenlos ausschieden( „Heute haben wir kein Bild für dich“) darf der Sieger nun sein Konterfei auf unserer Homepage bewundern. Das Foto ist hier zu sehen: Klick
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Feste Nahrung
Die Trainingsausfahrten des RVT stehen im Ruf besonderer Härte. Zumindest einige der Mitfahrer kehren regelmäßig in einem Zustand heim, der die Aufnahme fester Nahrung erst einige Stunden nach der Reanimation wieder zulässt. Auf eindrucksvolle Weise werden diese Gerüchte nun mit schockierenden Fotos von der Schlussphase einer 80 km Runde bestätigt. Auf Einladung von Altmeister Waldi Futterleib mussten die Teilnehmer wenige Kilometer vor dem Tagesziel ihren Kalorien- und Blutzuckerspiegel am Straßenrand durch Zuführung eines extrem fett- und zuckerreichen gelartigen Nahrungskonzentrats ausgleichen, bevor an eine Weiterfahrt auch nur zu denken war. Bemerkenswert ist insbesondere, dass der Zuchtmeister Futterleib selbst hier Nachsicht zeigte, die Maßnahme von sich aus anregte und damit seinen Begleitern die kurze Verschnaufpause einräumte. Ob sich hier erste Anzeichen von Altersmilde ankündigen?
Ach ja, die Fotos:
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"Keinen Spaß haben"
Lukas ist in seinem Amt als Jugendwart rührig und erfüllt die in ihn gesetzten Erwartungen vorbildlich. In der Jugendabteilung ist "frischer Wind" aufgekommen. Regelmäßig treffen sich einge Jungs in abenteuerlichem Outfit zum Mountainbike fahren, mitten im Sommer. Eine erfreuliche Entwicklung, der Zeitgeist geht auch an RVT von 1891 nicht spurlos vorüber. Der altgediente Teutoburger fragt natürlich, ob irgendwann der Wechsel zum Rad fahren angedacht sei - so geschehen auf der letzten Monatsversammlung. Lukas schätzte die Lage so ein, dass die Jungs wohl keinen Spaß am Rennrad fahren hätten.
Die verblüffte Reaktion der Anwesenden: Wie könne man wissen, was "keinen Spaß auf dem Rennrad" bedeute, bevor man mit Teutoburg unterwegs gewesen sei? Die diesjährige Zielankunft am Bielstein, das sei keinen Spaß auf dem Rennrad gewesen oder Brennenheide im Gewittersturm. Auch diverse Trainingsfahrten mit Vorti in der Führung seien zuletzt für einige Beteiligte kein Spaß gewesen oder das Frühjahrstraining bei 5 Grad im Nieselregen. Alles in allem seien es beste Voraussetzungen für den nachhaltig erfolgreichen Teutoburger, wenn er keinen Spaß auf dem Rennrad erwarte.
Also Jungs: Nächsten Samstag an der Brücke: Keinen Spaß haben!
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Der Schwächste bestimmt das Tempo
Es gibt einige eherne Grundsätze, die den Trainingsbetrieb seit 1891 bestimmen, Dogmen gleichend in Stein gemeißelt. Als solches Gebot ist die eingangs genannte Maxime anzusehen, auch unausgesprochen jederzeit gültig.
Gerade zur Saisonvorbereitungszeit ist natürlich die offene Frage zu klären, wie gut jeder Einzelne aus dem Winter gekommen ist, ob sich vielleicht der ein oder andere Infekt noch nicht ganz aus den Knochen verabschiedet hat oder ob der Zahn der Zeit Bissspuren hinterlassen hat (bekanntlich zählt ab 50 jedes Jahr doppelt). Zur Beantwortung dieser Frage dienen die ersten 40 km im Gegenwind bis Greffen. Läuft alles glatt und geschmeidig - ok, heute ist niemand der Schwächste, d.h. wir rollen einträchtig plaudernd mit Rückenwind und moderatem Tempo nach Hause zurück. Wozu sich weh tun?
Fährt dagegen jemand Führung und lässt dabei das Tempo um 2 km/h sinken, wechselt nach kaum 500m wieder durch oder beteiligt dich gar nicht an der Führungsarbeit - Hurra, wir haben den Schwächsten gefunden! Auf der Rückfahrt wird dann ordentlich Tempo gebolzt. Der Schwächste, mit äußerster Mühe und grau im Gesicht Anschluss haltend, darf auf das Verständnis der Gruppe zählen, auf die Empathie der Mitfahrer und den Gemeinsinn der Sportskameraden. Schließlich ist Sport im Verein am schönsten.
Verständnis: Der Tempobolzer an dessen Hinterrad man es sich halbwegs eingerichtet hat, öffnet galant den Weg nach vorne und muntert zu Führungsarbeit auf: "Los, damit du heute Abend in den Spiegel gucken kannst."
Empathie: Auf den letzten Metern den Passo Germanenstraße hoch erschallt ein Ruf aus dem Peloton, so laut, dass halb Brackwede mithört:: "Ey, ich hab heute echt Mitleid mit ..."(Name, der hier verschwiegen wird)
Gemeinsinn: "...(Name, der hier verschwiegen wird), wir fahren nicht durch die Stadt nach Hause, sondern über die Bodelschwinghstraße!"
Der Schwächste bestimmt das Tempo! Von einem, der´s erlebt hat.
Seite zuletzt geändert am: 10.04.2012, 23:06 von Administrator
